Im Kampf um Rentabilität
Der Verband Schlesischer Bauern setzt seine langjährige Tradition der Wintertreffen in seinen Bezirken fort. Im Januar und Februar treffen sich Landwirte aus acht Regionen der Woiwodschaften Oppeln und Schlesien, um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen, sich über neue Technologien zu informieren und vor allem über die Zukunft einer Branche nachzudenken, die mit rekordniedriger Rentabilität und einem Dschungel neuer Vorschriften zu kämpfen hat.
Mehr als Statistiken – so lässt sich die aktuelle Situation im Verband Schlesischer Bauern mit seinen aktuell über tausend Mitgliedern zusammenfassen. Obwohl die Zahl der Betriebe in einigen Bezirken leicht zurückgeht, treten junge Nachfolger dem Verband bei. „In meinem Bezirk haben zehn Landwirte den Verband verlassen, aber 22 neue, junge Landwirte haben sich an ihrer Stelle angemeldet. Das ist ein sehr positives Zeichen“, sagt Verbandsvorsitzender Bernard Dembczak.
Teilnehmer der Versammlung des Verbandes Schlesischer Bauern diskutieren die Zukunft der landwirtschaftlichen Betriebe und Strategien zur Bewältigung neuer Vorschriften.Foto: Manuela Leibig
Alojzy Twardawski, ein Landwirt aus Chrosczütz, der Ackerbau und Rinderzucht kombiniert, nimmt vor allem wegen der anderen Teilnehmer an den Treffen des Verbandes teil: „Es ist eine hervorragende Gelegenheit, sich mit Branchenkollegen auszutauschen. Ebenso wichtig ist der inhaltliche Aspekt: Eingeladene Experten erklären uns, was wir von den neuen Regelungen erwarten können und wie wir mit den immer strengeren EU-Anforderungen umgehen können“, sagt er und fügt hinzu: „Es gibt heutzutage eine Fülle von Informationen, aber man muss wissen, wie man sie prüft und filtert“. Die Teilnahme an Schulungen oder Studienreisen nach Deutschland ist nie Zeitverschwendung: „Man nimmt immer etwas Positives mit nach Hause. Obwohl die Zukunft aufgrund von Faktoren wie dem EU-Mercosur-Abkommen viele Sorgen und Unsicherheiten birgt, sollten wir optimistisch bleiben und unsere Produktion fortsetzen“, betont Alojzy Twardawski.
KSeF und die „Absurditäten“ der Gesetzgebung
Die diesjährigen Treffen standen ganz im Zeichen der Digitalisierung und der Bürokratie. Das Nationale System für elektronische Rechnungen (KSeF) sorgt für besondere Emotionen. Viele Landwirte glaubten zwar, das System gelte nur für große Unternehmen, doch die Realität sieht anders aus. „Viele Landwirte zahlen die gesetzliche Mehrwertsteuer. Sie müssen das KSeF-System praktisch sofort in ihren Betrieben einführen, und in Zukunft wird diese Umstellung voraussichtlich alle betreffen“, erklärt Bernard Dembczak.
Neben der Digitalisierung diskutieren die Landwirte auch über neue Tierschutzauflagen und das sogenannte „Kettengesetz“. „Die Auflagen werden immer strenger und sind oft realitätsfern. Bevor Politiker beispielsweise über das Kettengesetz abstimmen, sollten sie es erst einmal lesen und ein Praktikum in einem Viehzuchtbetrieb absolvieren“, sagt Bernard Dembczak.
Der Mythos der teuren Lebensmittel
Auch die öffentliche Wahrnehmung der Lebensmittelpreise ist ein wichtiges Thema bei den Treffen. Bernard Dembczak führt harte Fakten an: „Alle sagen, Lebensmittel seien teuer, aber die Statistiken zeigen etwas anderes. In den 1980er-Jahren gab eine durchschnittliche Familie 50 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aus. Heute sind es weniger als 20 Prozent. Das Problem ist, dass der Anteil der Landwirte am Endpreis bemerkenswert gering ist.“ Wenn ein Brot 10 Zloty kostet, ist das darin enthaltene Getreide nur 1 Zloty wert. Das sind lediglich 10 Prozent des Preises“, erklärt der Vorsitzende. Er fügt außerdem einen anschaulichen Vergleich hinzu: „Ein Kunde beschwert sich in einem Laden über den Preis einiger weniger Grundnahrungsmittel, zahlt 40 Zloty und kauft dann, ohne mit der Wimper zu zucken, zwei Schachteln Zigaretten für 50 Zloty. Eine Schachtel Zigaretten entspricht etwa drei Broten. Dazu muss man nichts weiter sagen.“
Importe und die Bedrohung durch das Mercosur-Abkommen
Die Stimmung in der Region wird durch die geringe Rentabilität der Produktion zusätzlich verschärft. Sebastian Kiwus, ein Landwirt aus Lendzin, der wie die meisten Landwirte in der Woiwodschaft Oppeln auf kargen Böden der Klassen 5 und 6 wirtschaftet, betont, dass trotz des Einsatzes moderner Technologien und höherer Erträge die wirtschaftliche Bilanz selten ausgeglichen ist. „Die Preise für Schweine, Milch und Getreide sind gerade noch an der Grenze zur Rentabilität; der aktuelle Milchpreis im Supermarkt ist ein Paradebeispiel dafür. Dies wird maßgeblich durch Rohstoffimporte beeinflusst, die die Regierung oft toleriert“, sagt Kiwus.
Die Bezirksversammlungen bieten den Landwirten die Möglichkeit, das vergangene Jahr zu reflektieren, sich über neue Technologien zu informieren und gemeinsam Lösungen angesichts der steigenden EU-Anforderungen zu erarbeiten.Foto: Manuela Leibig
Das geplante Mercosur-Abkommen zwischen der Europäischen Union und südamerikanischen Ländern (Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay) gibt Anlass zu noch größeren Sorgen. „Es stellt eine große Bedrohung für uns dar. Wir müssen strenge EU-Standards erfüllen, während in Brasilien Lebensmittel mit Mitteln hergestellt werden, die hier schon lange verboten sind. Europa riskiert, völlig vom Import von Lebensmitteln abhängig zu werden, die die Grundlage unserer Versorgungssicherheit bilden“, warnt Bernard Dembczak.
Die europäische Landwirtschaft sei gewissermaßen „Opfer ihres eigenen Erfolgs“ geworden, so der Vorsitzende des Verbandes Schlesischer Bauern. „Ich erinnere mich an Zeiten, als vier Tonnen Weizen pro Hektar geerntet wurden; heute sind es oft zehn Tonnen. Die Milchleistung pro Kuh hat sich von 3.500 auf 11.000 Liter pro Jahr erhöht. Die Produktion hat sich verdoppelt, und die demografische Entwicklung in Europa ist schwierig; es gibt kein Bevölkerungswachstum. Auch China strebt nach Selbstversorgung. Das erzeugt enormen Marktdruck“, erklärt Bernard Dembczak.
Bildung und Finanzierung: Das BUS-Projekt und die Unterstützung der Stiftung
Der Verband Schlesischer Bauern legt in diesem Jahr ebenfalls Wert auf Professionalisierung. Ein neues Projekt ist die BUS-Ausbildung – eine Reihe von neun Modulen, die sich über drei Jahre erstrecken. „Dieser Kurs richtet sich an junge Menschen und soll ihnen helfen, sich und ihre Betriebe in diesen unsicheren, ‚flexiblen‘ Zeiten neu auszurichten. Das erste Modul fand im November statt, und wir starten gerade ein weiteres, das sich mit dem Thema ‚Management in sich wandelnden Realitäten‘ befasst“, erklärt Dembczak.
Ein zentrales Element jedes Treffens im Jahr 2026 ist die Anwesenheit eines Vertreters der Stiftung für Entwicklung Schlesiens (SES), deren Vorsitzender Henryk Wróbel seit Jahren landwirtschaftliche Initiativen unterstützt. Die Stiftung bietet Landwirten Vorzugsfinanzierungen für den Kauf von Maschinen und Land sowie für die Modernisierung von Wärmeanlagen und Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien. „Unsere Verfahren sind deutlich einfacher als die von Banken, und dank EU-Förderung beträgt der Zinssatz für Kredite maximal 2 Prozent. Es gibt keine versteckten Kosten“, betonte der SES-Vorsitzende Henryk Wróbel, der am 26. Januar beim Treffen in Poppelau anwesend war.
Pläne für 2026: Von der Integration zur Direktvermarktung
Der Verband Schlesischer Bauern beschränkt sich nicht nur auf Schulungen. „Neben unseren regulären Programmpunkten, wie unserem großen Integrationstreffen – unserem traditionellen Grillfest am 29. Juni, das dieses Mal in Przyschetz stattfindet – planen wir Studienreisen, unter anderem nach Bayern“, kündigt Bernard Dembczak an.
Gemeinsame Analyse des vergangenen Jahres und Erfahrungsaustausch zur Implementierung moderner Technologien in Zeiten der Rentabilitätskrise.Foto: Manuela Leibig
Eines der Hauptziele für die kommenden Jahre ist der Kampf für die Wiederbelebung der regionalen Lebensmittelverarbeitung. „Unser Ziel ist es, die Idee der Direktvermarktung zu fördern. Leider haben Behörden in den letzten Jahrzehnten kleine Molkereien und Schlachthöfe faktisch stillgelegt. Deren Wiederaufbau bedeutet nun einen schwierigen Kampf gegen die Bürokratie und einen enormen Papierkram, aber es ist der einzige Weg für die Landwirte, wieder eine angemessene Gewinnspanne zu erzielen“, so Dembczak.
Neues Blut im Verband
Die Hoffnung für die Zukunft ruht auf neuen Mitgliedern wie Dawid Kupczyk aus Chrosczütz, der sich während der diesjährigen Treffen dem Verband anschloss. „Meine Eltern waren jahrelang Mitglieder; meine Mutter war Schatzmeisterin. Ich wollte mir selbst ein Bild machen. In einer Gruppe ist es einfacher, Kontakte zu knüpfen, Erfahrungen auszutauschen und an gemeinsamen Ausflügen zu Messen und Weiterbildungen teilzunehmen. Das ist ein guter Weg“, sagt der junge Landwirt, der sich auf seinem Hof auf die Rinderzucht spezialisiert hat.
Die nächsten Bezirksversammlungen des Bauernverbandes finden im Februar statt. Landwirte, die an Rechtsberatung und finanzieller Unterstützung durch die Stiftung für Entwicklung Schlesiens interessiert sind, können sich direkt an die SES-Geschäftsstelle in Oppeln (ul. Wrocławska 133, 45-837 Oppeln, Tel.: +47 77 454 25 97) wenden. Die Internetadresse des Verbandes lautet: https://frs-cb.pl/









