Ein Kommentar
Nach den Bundestagswahlen in Deutschland und den Präsidentschaftswahlen in Polen im vergangenen Jahr wurde erwartet, dass sich die deutsch-polnischen Beziehungen verbessern und vertiefen würden. Doch die Realität hat ihr eigenes Drehbuch geschrieben. Die Bilanz der deutsch-polnischen Beziehungen für das Jahr 2025 ist nicht die beste, sodass erneut von enttäuschten Hoffnungen die Rede ist.
Trotz einiger positiver Signale war 2025 ein enttäuschendes Jahr für die deutsch-polnischen Beziehungen. Zur Erinnerung: Im Februar des vergangenen Jahres fanden in Deutschland vorgezogene Bundestagswahlen statt, die die Christdemokraten gewannen. Bundeskanzler Friedrich Merz besuchte Polen gleich am ersten Tag nach seiner Vereidigung! Dies war ein klares, freundliches Signal aus Berlin nach Warschau. Während Merz’ Besuchs in Polen kündigte der polnische Premierminister Donald Tusk zudem einen „Neuanfang“ in den Beziehungen zu Deutschland an. Doch dazu kam es nicht.
Das Thema Migration überschattete den Besuch des Bundeskanzlers in Polen erheblich. Berlin hatte beschlossen, die Kontrollen an den deutschen Grenzen für Asylsuchende zu verschärfen. In dieser Frage traten sofort deutliche Meinungsverschiedenheiten zwischen Deutschland und Polen zutage. Die rechtsgerichtete Opposition in Polen nutzte dies aus, indem sie wochenlang in den sozialen Medien Gerüchte über angebliche Massenabschiebungen von Flüchtlingen aus Deutschland nach Polen verbreitete. Die Folge: Polen führte – wie Deutschland – Grenzkontrollen ein, und die schwierige Vergangenheit, geprägt von antideutscher Rhetorik, rückte erneut im deutsch-polnischen Verhältnis in den Vordergrund. Auch Premierminister Donald Tusk leistete dem keinen Widerstand und bediente sich gegenüber Deutschland sogar selbst der Rhetorik seiner politischen Gegner – ein Phänomen, das in den letzten Wochen deutlich zu beobachten war.
Trotz einiger positiver Signale war 2025 ein enttäuschendes Jahr für die deutsch-polnischen Beziehungen.
Am 1. Dezember 2025 erklärte Donald Tusk während der deutsch-polnischen Regierungskonsultationen in Berlin auf einer Pressekonferenz, Polens Verzicht auf Reparationszahlungen an Deutschland in den 1950er Jahren sei keine souveräne Entscheidung gewesen und entspreche nicht dem Willen der polnischen Nation: „Die polnische Nation hatte in dieser Angelegenheit kein Mitspracherecht. Wir sind der Ansicht, dass Polen für die Verluste und Verbrechen des Zweiten Weltkriegs keine Entschädigung erhalten hat“, so der polnische Premierminister. Interessanterweise sagte Donald Tusk im Februar 2024 an genau demselben Ort, in Anwesenheit von Bundeskanzler Olaf Scholz: „Formal, rechtlich und international gesehen ist das Reparationsthema schon lange abgeschlossen. Eine moralische, finanzielle und materielle Wiedergutmachung wurde zwar nie gelöst, aber nicht durch Verschulden von Bundeskanzler Scholz und auch nicht durch mein eigenes.“
Trotzdem ist das vergangene Jahr nicht gänzlich abzuschreiben. Unter anderem gab es in den letzten Monaten einige positive Entwicklungen in der deutsch-polnischen Verteidigungszusammenarbeit. Auch die Wirtschaftsbeziehungen entwickeln sich gut. Erwähnenswert ist zudem der Bundestagsbeschluss, der die Bundesregierung zum Bau eines Denkmals für die polnischen Kriegsopfer in Berlin auffordert, sowie die außergewöhnlich hohe Anzahl positiver Veröffentlichungen über Polen in den deutschen Medien im Jahr 2025. All diese Gesten kommen jedoch fast ausschließlich aus Deutschland, wo das positive Bild des östlichen Nachbarn, das von vielen deutschen Politikern gezeichnet wird, die Meinung der Deutschen über Polen verbessert, wie die Ergebnisse der jüngsten Umfrage der Reihe „Polen-Deutschland-Barometer“ bestätigen.
Leider gilt das nicht für die Sympathie der Polen gegenüber den Deutschen. Ganz im Gegenteil: Die Antipathie gegenüber Deutschland hat in Polen einen Höchststand seit Jahren erreicht! Dies ist wohl die traurigste Nachricht aus den deutsch-polnischen Beziehungen des vergangenen Jahres, für die die polnische Politik maßgeblich verantwortlich ist. Wie schon die berühmte polnische Band „Budka Suflera“ vor Jahren sang: „Es gehören immer zwei dazu“ …











