Im Schatten der Vergangenheit

wochenblatt.pl 16 godzin temu
Zdjęcie: Foto: Die deutsch-polnische Grenze ist längst nur noch ein Strich auf der politischen Landkarte Europas. Foto: Dirk Vorderstraße / wikimedia commons


Die deutsch-polnischen Regierungskonsultationen am 1. Dezember haben uns veranlasst, die bilateralen Beziehungen genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei lassen sich leicht viele unverheilte Wunden und offene Ansprüche erkennen. Vor allem die Vergangenheit wirft einen Schatten auf die Gegenwart – und hoffentlich nicht auch auf die Zukunft.

Deutsch-Polnisches Barometer: Sinkende Sympathiewerte

Aus den Daten des aktuellen Deutsch-Polnischen Barometers geht hervor, dass sich 70 Prozent der Deutschen, aber nur 48 Prozent der Polen auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen konzentrieren wollen. Dagegen sind 34 Prozent der Polen der Meinung, dass historische Fragen die Umsetzung zukunftsorientierter Projekte behindern. Analysten der polnisch-deutschen Beziehungen weisen außerdem auf einen rekordtiefen Anteil von Polen hin, die Sympathie für die Deutschen bekunden.

Foto: Die deutsch-polnische Grenze ist längst nur noch ein Strich auf der politischen Landkarte Europas. Foto: Dirk Vorderstraße / wikimedia commons

Aus den Daten des aktuellen Deutsch-Polnischen Barometers geht hervor, dass sich 70 Prozent der Deutschen, aber nur 48 Prozent der Polen auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen konzentrieren wollen. Dagegen sind 34 Prozent der Polen der Meinung, dass historische Fragen die Umsetzung zukunftsorientierter Projekte behindern. Analysten der polnisch-deutschen Beziehungen weisen außerdem auf einen rekordtiefen Anteil von Polen hin, die Sympathie für die Deutschen bekunden.

Meilensteine der Versöhnung und europäische Integration

In einer solchen Situation scheint es schwierig, eine fruchtbare Zukunft und Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern aufzubauen. Das ist bedauerlich, denn es gab Momente, in denen es so aussah, als würde sich die Normalisierung der polnisch-deutschen Beziehungen in eine gute Richtung entwickeln. Zu nennen sind hier der Brief der polnischen Bischöfe aus dem Jahr 1965 oder die Geste des deutschen Bundeskanzlers Willy Brandt vor dem Denkmal für die Helden des Warschauer Ghettos im Jahr 1970. Darüber hinaus setzte Mitte der 1980er Jahre die Entwicklung einer deutsch-polnischen Interessengemeinschaft ein, die im Grenzvertrag vom 14. November 1990 und im Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit vom 17. Juni 1991 ihren Ausdruck fand.

Deutschland hat einen wesentlich Beitrag zum EU-Beitritt Polens geleistet und ist ein wichtiger strategischer, wirtschaftlicher und politischer Partner Polens.

Diese Abkommen waren Meilensteine der Normalisierung, und es schien, als könne es nur noch besser werden – zumal Deutschland wesentlich zum EU-Beitritt Polens beitrug und ein wichtiger strategischer, wirtschaftlicher und politischer Partner Polens ist.

Diplomatische Abkühlung und innenpolitische Spannungen

Dies erhöhte Polens Sicherheit und stellte Mittel für den Transformationsprozess bereit. Dieser Beitrag umfasste sowohl politische Unterstützung als auch erhebliche wirtschaftliche Vorteile für Polen, das zu einem der größten Nutznießer der europäischen Integration wurde. Nach dem Wahlsieg der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) bei den Parlamentswahlen 2005 und der Wahl von Lech Kaczyński zum Präsidenten der Republik Polen kam es jedoch zu einer diplomatischen Abkühlung zwischen Polen und Deutschland, die bis heute mehr oder weniger anhält. Die PiS setzte und setzt auf antideutsche Töne und wirft dem heutigen Premierminister Donald Tusk eine prodeutsche Haltung vor. Nach Tusks Wahlsieg im Jahr 2023 schien sich die Politik der polnischen Regierung gegenüber Deutschland zwar zu verbessern, doch mit dem Sieg von Karol Nawrocki bei den Präsidentschaftswahlen wurde es für die Regierung Tusk sehr schwierig, gute Beziehungen zu Berlin aufzubauen.

Annäherung im Schatten der äußeren Bedrohung

Auch Präsident Nawrocki bedient antideutsche Narrative, und die Opposition unterstützt ihn dabei, indem sie dem Premierminister vorwirft, Berlin gegenüber zu nachgiebig zu sein. Sie greift konsequent auf historische Themen zurück, die einen zentralen Platz in ihrer politischen Kommunikation einnehmen. Schlimmer noch – und das bestätigen die Ergebnisse des Deutsch-Polnischen Barometers – findet die negative Darstellung Deutschlands in Polen zunehmend Resonanz. Vor diesem Hintergrund fällt die Bilanz der diesjährigen Regierungskonsultationen gar nicht schlecht aus. Dies ist jedoch weniger Ausdruck einer wirklichen Annäherung zwischen Berlin und Warschau, sondern vor allem das Ergebnis der Angst vor einer russischen Aggression – ein Umstand, der ebenso traurig ist wie der Krieg in der Ukraine selbst.

Ausblick: Mut zur Freundschaft im Jahr 2026

Deshalb bleibt zu hoffen, dass sich Polen und Deutschland im Jahr 2026 deutlich annähern werden – nicht wegen einer Bedrohung aus dem Osten, sondern weil sie einander brauchen, voneinander abhängig sind und mit Mut und Freundschaft nach vorne blicken, während sie zugleich verantwortungsvoll mit der Vergangenheit umgehen.

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